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Turkmenistan

2005 hatte ich die Möglichkeit für 21 Tage ins ferne Turkmenistan zu reisen. Mein damaliger Partner arbeitete für einen Weltkonzern, der im Rahmen einer Hermesbürgschaft vor Ort im Raffeneriebau tätig war. Untergebracht waren wir in einem Expetriate-Camp direkt am Kaspischen Meer nahe der Stadt Turkmenbashi (früher Krasnowodsk).

Als Ausländer benötigt man ständig Visa um sich von einer Ortschaft zur nächsten bewegen zu können. Es gibt sehr viele Strassensperren.

Autofahren:
ist erlebnisreich. Viele Autos sind sehr alt und russische Fabrikate. Einige, wohlhabene Leute fahren auch BMW oder Mercedes. Man schnallt sich generell nicht an, egal ob Gurte vorhanden sind oder nicht. Oft funktioniert bei russischen Fabrikaten die Handbremse nicht mehr. Man fährt mit Steinschlag in den Scheiben und demolierten Seitenfenstern. Abschließen ist bei diesen Autos auch nicht notwendig. Sie werden nicht geklaut!
Natürlich gibt es eine 0 Promille Grenze. Wird man mit Alkohol am Steuer erwischt ist man 100 Dollar los. Mehr als die meisten im Monat verdienen.
Es gibt Radarpistolen!
Regierungsfahrzeuge haben ein grünes Nummernschild, Einheimische ein weisses und Ausländer ein gelbes. Nach 23.00 Uhr dürfen keine ausländischen Autos mehr in der Stadt Turkmenbashi sein. Das heisst, wenn man zur Disco möchte, muss man ein einheimisches Auto anhalten (Arm etwas anheben und ausstrecken, Hand bleibt flach), mit dem Fahrer einen Preis ausmachen und wird dann an Ort und Stelle gebracht. Busse gibt es so gut wie gar nicht. (Stand 2005)

Die Miliz:
ist überall bestechlich bzw. sie sucht immer nach irgend einem Grund Dir Geld abzunehmen.
Die jungen Männer bekommt einen absoluten Mindestlohn ausgezahlt, von dem sie nicht wirklich existieren können. Bei brütender Hitze stehen sie oft stundenlang unbewegt in der Sonne neben irgendwelchen Turkmenbashi Statuen bzw. diversen Denkmälern. Oder sie flanieren auf staubigen Strassen, ohne Schatten in der Hoffnung ein Verkehrsdelikt zu erhaschen. Von ihrem Arbeitgeber Staat erhalten sie einen Eimer Wasser mit einer Kelle, den sie sich mit mehreren teilen können. Wen wundert es da, daß man sich sein Geld anderswie besorgen muss!
Uns ist es passiert das man mit ernstem Gesicht unsere Papiere anschaute und erst dann, als man ein Passfoto sah merkte, daß man das Schriftstück falsch herum hält...

Köw Ata See (bei Bakharden):
Es handelt sich hierbei um ein thermales, unterirdisches Gewässer. Luftfeuchtigkeit und Hitze sind in der Tiefe (65 m )enorm im Gegensatz zum Sauerstoffgehalt. Es riecht nach Schwefel. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen hier kurz zu Schwimmen. Obwohl ich mich als gesundheitlich fit einstufe (ich mache seit vielen Jahren 2-3 mal die Woche Ausdauer- oder Kraftsport), baute daraufhin mein Kreislauf beim Aufstieg ans Tageslicht ziemlich ab. Es ist sehr interessant und ein Abenteuer für sich, aber man sollte sich wirklich gut überlegen ob man es gesundheitlich schafft dort hinab zu steigen. (Es gibt wirklich niergendwo Toiletten...) Für Herzkranke ist ein Abstieg nicht zu empfehlen.

Wasser:
gibt es vor allem in der Hauptstadt! Dort wird es in rauhen Mengen für prestigeträchtige Springbrunnenanlagen verwendet. In Turkmenbashi (ehem. Krasnowodsk), was immerhin die zweitgrößte Stadt des Landes ist, gibt es für einen Großteil der Bewohner nur 2-3 mal die Woche Wasser (Stand 2005). Die Bevölkerung sammelt es in der Badewanne, um z.B. den täglichen Abwasch erledigen zu können. Ausserdem gibt es Wasser in 1,5 liter Flaschen wie bei uns zu kaufen. Es ist verhältnissmäßig günstig.

Essen:
Es gibt viel Gegrilltes. Ansonsten sollte man weniger den umfangreichen Speisekarten als dem hilfsbereiten Kellner vertrauen. Am besten fragt man was gerade an Nahrungsmitteln da ist und wählt dementsprechend.
Ein unvergessliches Erlebnis:
Ich war mit drei Männern essen. Sie bekamen alle die englische Speisekarte, ich die russische ;-)

Basare:
gibt es überall. Man unterscheidet zwischen russischen und turkmenischen. Auf Basaren kann man alles kaufen, was man hier im Drogeriemarkt, Bekleidungsshop, Schreibwarenladen, Elektrohandel, Handarbeitsgeschäft oder eben Lebensmittelshop gibt. In Ashgabat bietet sich für abenteuerlustige Reisende der Tolkuchka-Basar, vor den Stadttoren an. Hier bekommt man gute Wahre für wenig Geld und erlebt das Markttreiben in seiner ursprünglichsten Form! Vorsicht es staubt! Was den Lebensmittelverkauf angeht, so wird einem durchaus bewusst das Fleisch totes Tier ist.

Währung :
Am 1. Januar 2009 wurde der „neue Manat“ mit dem ISO-4217-Code TMT eingeführt. 1 TMT ist 5000 alte Manat (TMM), beide blieben 2009 parallel im Umlauf, bis 2010 wurde der alte Manat von allen Banken Turkmenistans umgetauscht. Es wurden neue Banknoten zu 1, 5, 10, 20, 50, 100 und 500 Manat und Münzen zu 1, 2, 5, 10, 20, 50 Teňňe, 1 und 2 Manat ausgegeben. Der umstrittene Ex-Staats- und Regierungschef Saparmyrat Nyýazow ist nur noch auf der 500-Manat-Note abgebildet, auf der alten Serie war er auf allen Scheinen.

Als ich dort war entsprach 1 Dollar 25 000 Manat ! Wenn man Geld tauschen wollte, sprach man am besten die Herren mit den Plastiktüten in der Hand an, die vor dem Basar herum liefen. 2 cm 10 000er Scheine entsprachen ca. 40 Dollar bzw. einer Millionen Manat. Es empfahl sich aber trotzdem nachzuzählen. Es gab nämlich auch noch 5000er Scheine! Weniger nützlich erschienem einem vor diesem Hintergrund 1000er und 500er Münzen.

Geld:
Gibt man generell nur für Autos oder Elektronik wie Fernseher, Video, Musikanlage usw. aus. Niemand investiert in Heim und Hof. Was von uns auf den ersten Blick mit einem Schmunzeln abgetan wird hat seinen Grund. Das Land gehört dem Staat. Grundstücke werden enteignet sobald der Staat sie braucht, ob es zum Straßenbau oder wofür auch immer ist. Warum also in Wohneigentum investieren?!

Banken:
Denen traut keiner. Das gesammte Vermögen wird im Haus aufbewahrt. Egal wieviel es ist. Angst das einem größere Summen geklaut werden hat man nicht. Offenbar geht die turkmenische Bevölkerung sehr sozial miteinander um. Oder es liegt daran, dass in einem Staat wo Gefängnisszellen unter Umständen nur einen Meter hoch sind, die Strafen zu empfindlich sind, als das man ein Risiko eingehen möchte.

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